Man hat mich gebeten eine Messemoderation zu übernehmen. Durch den Tag und Interviews führen, Ausstellern eine Plattform geben sich auf der Messe zu präsentieren. Ich mache das gern und frage nach Details.
Messestände, eine Bühne, professionelle Technik, eine Diskussionslounge und ca. 50 Aussteller werden erwartet. Soweit klingt das unspektakulär. Der erste Tag ist einen interne Fachmesse, die Öffentlichkeit wird am zweiten Tag erwartet.
Doch die Unternehmer sind zwischen 12 und 18 Jahre alt! Sie sind Vorstände, Geschäftsführer, Leiter der Marketingabteilung oder Buchhaltung. Fiktion? Nein. Viel zu unbekannt ist die Initiative Schülerfirmen, deren Jungunternehmer deutschlandweit unter verschiedenen Dachorganisationen ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten. Ihre Geschäfte sind durchaus ernst zu nehmen. Ihre Kunden kommen aus dem direkten schulischen Umfeld, aber auch über das Internet. Die Jugendlichen sind durchaus in der Lage ihre Geschäftsidee zu erläutern und Verkaufsgespräche zuführen. Einige strotzen vor Geschäftssinn und Selbstbewusstsein. Sie haben Logos entworfen, bilanzieren, sorgen für ihren Einkauf und akquirieren ihre Kunden selbst.
Vom Schülercafé, Nachhilfe-Service, Reisebüro für Klassenfahrten und Schreibwarenladen, bis hin zu Kunstverleih für Praxen und Geschäfte (aus eigener Kooperation mit dem Kunst-Leistungskurs), Wasserqualitätsprüfservice für Teiche und Gewässer, Kräuterseife aus dem Schulgarten, Honig aus eigener Imkerei, formschöne Taschen (auch von den Jungen genäht) oder Import/Exportgeschäfte mit anderen Schülerfirmen im Ausland, gibt es eine erstaunliche Bandbreite von Geschäftsideen.
Wer hätte gedacht, dass die allzu oft verloren geglaubte und viel beseufzte Jugend im bescheidenen Hintergrund ein Engagement an den Tag legt, dass so manchen erwachsenen Unternehmer beeindrucken dürfte?!
Lebensnahes Lernen bekommt hier einen ganz anderen Tiefsinn. Je nach Konzept arbeiten die Schüler freiwillig vor und nach der Schule. Sie lernen wie man Buch führt, mit Kunden kommuniziert, im Team arbeitet, Verantwortung übernimmt und Motivationstiefs überwindet.
Schülerfirmen funktionieren wie im richtigen Leben.
Einige erhalten eine Anschubfinanzierung, andere müssen regelmäßig bilanzieren und Gewinne nachweisen, manche sind Aktiengesellschaften, die Anteile verkaufen. Einige erwirtschaften Überschüsse, sodass sie sich kleine Löhne auszahlen können, manche geben ihre Gewinne für gute Zwecke weiter und andere machen plus/minus Null.

Die pädagogischen Gewinne stehen dabei über jeden materiellen Werten. Was die Kinder und Jugendlichen hier lernen, ist unbezahlbar: sie lernen für das Leben.
Ihr Schüerfirmen-Zertifikat ist für einige vielleicht wertvoller als das Abschlusszeugnis der Schule. Denn sie haben in zwei Jahren (oder länger) Qualitäten entwickelt, die ihnen den Einstieg ins Berufsleben deutlich erleichtern werden, weil sie teamfähig sind, kommunikationsfreudig, engagiert und belastbar. Ist es nicht das, was jeder Arbeitgeber auf seiner Wunschliste stehen hat?
Ich steige auf die Bühne und gebe meinem Gesprächspartner ein Mikrofon und wir unterhalten uns über das Geschäft, über die Messe, Produktentwicklungen und über Absätze.
Wir reden über das, was Spaß macht, was die Mühe wert macht. Wenn ich in diese Augen schaue, weiß ich es genau: sie werden ernst genommen. In ihrem Engagement und in ihrem Willen ihre Zukunft zu gestalten. Das berührt mich und es erfüllt mich mit Hoffnung. In zwei Jahren ist wieder eine Messe. Wenn ich gefragt werde, bin ich bestimmt wieder dabei.
Diese Schüler zeigen, dass es sich lohnt in die Jugend zu investieren. Ich danke jedem Lehrer und Schülerfirmenbetreuer, jedem Sozialarbeiter Beauftragten und Ehrenamtlichen, der diese Arbeit möglich macht. Und ich danke, dass ich meinen Teil dazu beitragen durfte.
Anbei Impressionen der beiden Tage:







