Die Zeit verging wieder im Flug: zwei intensive Tage für Austausch,
Experiment und Lernen. Ein stimmungsvolles Atelier beherbergt uns für diese Zeit.
Im Kreis sitzen neugierige Menschen, die alle mit Menschen arbeiten: in der Beratung, Coaching, Therapie und Training.
Somit sind die Teilnehmer erfahren und offen genug sich auf ein Experiment einzulassen.
Viel ist passiert. Alles en détail hier aufzulisten sprengte den Rahmen. Doch ein Unterthema hat einen dermaßen überzeugend praktischen Nutzen, dass ich hiervon berichten möchte.
Der theoretische Teil klingt viel versprechend: wenn wir einen Konflikt zwischen zwei Menschen haben, dann ist das, was wir an Botschaften und Inhalten hören nur sekundär.
Diese Aussage lässt einige Stirnen runzeln. Das klingt sonderbar in unseren Ohren. Ja, wir kennen den Spruch: „der Ton macht die Musik“, doch hier geht um etwas anderes.
In einem Konflikt geraten wir in eine Art Schlaufe, in der es immer einen Schlagabtausch von Vorwürfen, Urteilen und Verletzungen gibt.
Und meistens sind Empfindungen wie Ärger, Enttäuschung und Frustration im Spiel.
Wie kommt es nun zu diesen Empfindungen? Kann man herausfinden wer Recht hat?
Auch dieser Aspekt ist nicht Gegenstand bei dieser Form von Konfliktlösung.
Bei der Arbeit mit Beziehungsmustern (engl. Bonding Pattern) geht es eher darum, das Prinzip zu erkennen, das jedem Streit unterliegt. Es ist eine Infinity Loop, die so lange funktioniert, bis einer von beiden „den Tanz“ abbricht.
In jedem Falle finden permanent Verletzungen statt – ob gewollt oder ungewollt.
Wir mögen keine Verletzungen und wollen uns davor schützen. Das leuchtet uns ein.
Was tun wir also? Wir agieren aus einer möglichst machtvollen Position und ignorieren, bzw. verdrängen unbewusst stattfindende Verletzungen. Es ist einfacher als den Schmerz zuzulassen. Was tun wir also so schnell, dass wir nicht einmal Kenntnis davon nehmen?
Wir übergehen die Verletzung, um schnell auf einen Angriff reagieren zu können und uns dabei wieder stark zu fühlen.
Wir könnten sagen, es entsteht ein Ping-Pong zwischen der mächtigen Seite in uns und der ohnmächtigen, bzw. verletzlichen Seite in uns.
Die Verblüffung ist groß.
Wir nehmen uns vor eine (bekannte, erlebte) Streitsituation zu analysieren und anzuschauen, wie Macht und Ohnmacht sich innerhalb eines Gespräches abwechseln. In uns selbst und auch in unserem Gegenüber.
Es kann ein harmloser Alltagskonflikt sein:
Warum kommst du erst jetzt nach Hause?
Wir stellen fest, dass in einem Konflikt die mächtigen Anteile kommunizieren, während im Hintergrund diffus gelitten wird, weil wir die Verletzung nicht wahrnehmen wollen (oder können).
Die einzigen Hinweise sind Ärger, Wut, Empörung, Frustration, etc. Empfindungen also, die wir nicht haben wollen, weil sie schmerzhaft sind.
Könnten wir die Verletzlichkeit in uns und bei unserem Gegenüber erkennen, spüren, berücksichtigen, bräuchten wir diesen Aufwand nicht zu betreiben.
Könnten wir eine Position der Mitte einnehmen und beides in uns spüren, nämlich den Wunsch sich stark und potent zu fühlen (Recht haben, den anderen kritisieren, bestrafen) und die Verletzlichkeit (Trauer, allein sein, nicht akzeptiert werden, schuldig sein, etc.), könnten wir den Schlagabtausch verkürzen und schneller eine Ebene der Verständigung und Lösung finden.
Ja-aber, der hat angefangen!
Wenn es uns gelingt in die Mitte zu kommen, haben wir Verständnis für uns und den Gesprächspartner. Die Kluft verringert sich und wir können sie leichter überwinden.
Dieses Verständnis ist kein rein intellektuelles Verstehen, sondern in Verbundenheit mit den emotionalen und seelischen Prozessen im Menschen. Dieses Verständnis ist getragen von einer tieferen Einsicht mit dem enormen Vorteil eines größeren Handlungsspektrums.
Wer angefangen hat, ist unerheblich. Wer erkennt, dass sich beide „im Tanz“ befinden, sollte Geistesgegenwart und die Gnade haben diesen zu unterbrechen, in dem er aus der Mitte spricht und den kooperativen Kommunikationsraum wieder eröffnen.
Es ist erstaunlich wie schnell konstruktive Gespräche wieder möglich sind!
Zwei praktische Fragen schließen sich hier an:
• Und wie merkt man, dass man sich im Tanz befindet?
• Wie findet man die Mitte?
Hier beginnt der praktische Bereich in dieser Arbeit. Um diese beschriebene Mitte zu erfahren, benötigt es ein konkretes Einlassen auf die tatsächlichen Empfindungen beider Seiten und in sich selbst! Verständlich, dass dies nicht mehr theoretisch herstellbar ist und einer praktischen Übung bedarf.
Überall in Deutschland gibt es Facilitators (Begleiter, Moderator), die bei dieser Arbeit als Katalysatoren wirken, den Prozess unterstützen und dafür sorgen, dass Transparenz und Klarheit während der Entdeckung herrscht. Das Verblüffende dabei ist, dass diese Form dieses Prozesses enorm viel Spaß macht und die Ergebnisse so selbstverständlich scheinen, dass man sich fragt, warum man da nicht früher drauf gekommen ist.
Lust auf eine praktische Erfahrung oder mehr Informationen?
